Im Rahmen der Ausstellung "Architektur, Menschen und Ressourcen" der Architekturschmiede Baumschlager-Eberle ist in der Pinakothek der Moderne in München bis 13. Januar 2008 eine minimalistische 17-teilige Granitskulptur des österreichischen Bildhauers Herbert Meusburger zu sehen, die mäanderartig den Raum besetzt.

Der 1953 in Bizau (V) geborene Bildhauer Herbert Meusburger greift im Zuge seiner werkstrategischen Vorgehensweise auf archaische Materialien wie Granit oder Serpentin zurück, um diese mit zeitgemässem künstlerischem Schaffen zu verschränken. Es geht ihm nicht etwa wie den klassischen Bildhauern darum, im Stein Verborgenes frei zu legen, sondern das Material als Basiselement für den Transport gestalterisch-konstruktiver Konzepte einzusetzen.

In der jüngsten Vergangenheit ist im Werk Meusburgers eine Entwicklung zu beobachten, die von einer natürlichen Grosszügigkeit, die dem Gestein eine wesentliche Eigenständigkeit belässt, zu einer strengeren architektonischen Grundauffassung überleitet. Dessen ungeachtet sind auch die jüngeren skulpturalen Formationen des Bildhauers in einer analogen Kongruenz zu seiner künstlerischen Philosophie des Trennens und Verbindens zu sehen.

Dieser Philosophie entsprechend, bei der es um Stützen und Lasten, Aufrauhen und Glätten sowie um Abspalten und Zusammenfügen geht, hat Meusburger eine eigene Formalsprache erarbeitet, die an die Konstruktionsweisen alpiner Block- und Almhüttenarchitekturen erinnert. Seine vielteiligen Objekte verkörpern quasi modellhafte "Strickbauten" in Stein. Sucht man nach formalen Entsprechungen im Alltag, denkt man zuerst an Tore, Fensterstürze, Behausungen oder Regale. Sie sind geometrisch exakt herausgearbeitet und aufgrund ihres modularen Charakters grössenmässig beliebig erweiterbar. Kunstsprachlich gesehen wirken die Arbeiten entsprechend reduziert und minimalistisch.

Für seinen Beitrag in der Pinakothek der Moderne in München, den er anlässlich der dort stattfindenden Ausstellung zum Werk der Architekturschmiede Baumschlager-Eberle geschaffen hat, hat Meusburger 17 Blöcke aus schwarzem, afrikanischen Granit bearbeitet und zu einer fünf Meter langen Plastik angeordnet. Horizontal und vertikal miteinander verbunden, markieren die Blöcke formal fünf Tore respektive wuchtige Fensterformen, die sich mäanderartig in den Raum zwischen dem ersten und zweiten Ausstellungssaal ausbreiten.

Die modular aufgebaute Skulptur liesse sich endlos fortsetzen. Die waagrechten Granitbalken sind jeweils poliert, während die vertikalen Stützen nur eingefräst und grob behauen sind. Ihre unterschiedlich bearbeiteten Oberflächen reizen zwangsläufig den Tastsinn des Betrachters. In ihrer architektonischen Qualität fügt sich diese Formation exakt ins Konzept der Baumschlager-Eberle-Ausstellung, in die übrigens auch noch eine komplexe Arbeit des amerikanischen Künstlers Keith Sonnier eingebunden ist. Einer vom Minimalismus geprägten Formschönheit verpflichtet, gerinnt die den Raum besetzende skulpturale Architektur Meusburgers auch zu einem kontemplativen Meditationsstück.

Granit bezeichnet ein magmatisches Gestein mit einer richtungslos-körnigen Struktur. Die Hauptmineralbestandteile von Granit sind Feldspat, Quarz und Glimmer. Granit hat eine höhere Festigkeit als Sandstein, Kalkstein und Marmor und ist daher schwieriger zu bearbeiten. Dafür gilt er durch seinen Quarzgehalt hart und äusserst widerstandsfähig gegen Witterungseinflüsse. Meusburger hinterlässt auf und in diesem Gestein seine Arbeitsspuren. Das Prozesshafte seiner bildhauerischen Methodik, der Arbeitsprozess als solcher wird somit nachvollziehbar und lesbar. Es gelingt dem Künstler sozusagen, das Getane im Geschaffenen transparent werden zu lassen. Er schafft volumetrische Ensembles von Gesteinskörpern, die ihre Materialität als durch Gestaltung verdichtete Form zum Ausdruck bringen.

Meusburger entwickelt seine skulpturalen Formationen unter Auslotung des sie umgebenden Raumens. Im Dialog von skulpturaler Anordnung und Architektur entfaltet sich eine spezifische Transparenz des Raumes.